BENEDIKT SOLGA

SCHLEUSINGEN // Bildhauerei, Grafik, Zeichnung


DR. BENJAMIN SIPPEL

JENA/ERFURT // Referent, Friedrich-Schiller-Universität Jena



Kunst verbindet – und im Rahmen dieses Projektes sogar ganz wortwörtlich: Um die doch beträchtliche Entfernung zwischen Erfurt und Schleusingen zu überbrücken, verbanden wir zunächst die Transportmittel Bahn und Auto miteinander. In Schleusingen angekommen, verbanden wir den Weg zum Ort der Begegnung mit einer kleinen Führung durch die Stadt; wir verbanden den intellektuellen Austausch mit einem gemütlichen selbstgekochten Mittagessen und wir verbanden die Betrachtung der Kunst mit einer Besichtigung ihres Entstehungsortes in der Werkstatt; nicht zuletzt verbanden wir unsere Gedanken im Austausch miteinander und konnten dabei unter anderem über unsere Konzepte von Kunst reflektieren.

 

Mir blieb folgender Eindruck aus unserer Begegnung im Gedächtnis: Kunst in ihrer ehrlichsten Form kann erst dann entstehen, wenn die kunstschaffende Person in Freiheit ihre Kunst schafft. Damit ist nicht nur die politische Freiheit gemeint, sondern auch die existenzielle Freiheit: Man muss sich erlauben können, dem Publikum zu missfallen oder unverstanden zu bleiben. Ist man an diesem Punkt der Freiheit angelangt, kann ich ein ursprünglich menschliches, kreatives Werk schaffen. Für die Gesellschaft besteht der Wert dieses Werks dann darin, dass sie in dem Werk das volle, ungezügelte Spektrum kreativer Entfaltung betrachten kann – und dieses Erlebnis kann für die betrachtende Person wiederum die Quelle für eine eigene Inspiration zu künstlerischem Schaffen sein. Das führt zu dem Schluss, dass eine Gesellschaft, die das volle Spektrum ihrer friedlichen Schaffenskraft entdecken möchte, ihren Kunstschaffenden ein politisch und wirtschaftlich sicheres Leben gewährleisten sollte.

 

Und ganz ehrlich: Ich halte es für eine tolle Leistung von Kunstschaffenden, die den ländlichen Raum durch ihr Leben und Wirken noch ein Stück bunter machen – denn besonders viele frei Kunstschaffende gibt es auf dem Land derzeit nicht. 


Dr. Benjamin Sippel