JOST HEYDER
ERFURT // Malerei, Grafik
KNUT KREUCH
GOTHA // Oberbürgermeister der Stadt Gotha
Herzbube
Beim Eintritt ins Atelier von Jost Heyder verschafft die Fülle künstlerischen Schöpfens eine unbändige Lust, um einzutauchen. Egal, ob mit den Augen oder beim Blättern mit den Fingern, man hat das Gefühl einer nicht enden wollenden Entdeckungsreise. Eine Skizze vom Erfurter Dom, daneben eine italienische Landschaft, die lehrende Schwiegermutter aus Gotha gerahmt auf dem Erdboden stehend, und gleich gegenüber hebt Kurt Masur den Finger zum Dirigat. Doch mittendrin thront der Herzbube.Die Marionette ist Teil des Lebens von Jost Heyder und begegnet seinem Betrachter immer wieder, seit der Künstler in den 1980er Jahren die Faszination dieser Puppen für sein Schaffen entdeckte. An Seilen sicher hängend, unsichtbar kraftvoll sich bewegend, in Gelenken spielend auftrumpfend und dabei durchdringlich schauend – so sind seine Gemälde. Der Herzbube mit dem überdimensionalen Gesichtsausdruck, der scharfen spitzen Nase, den unterschiedlich blau schimmernden Augen und dem vorwärtsstrebenden Kinn, hält die Herzkarte in seiner Rechten dem Mädchen entgegen, das seine Wange neckend, neugierig auf das Skatblatt blickt.
Eine Frage drängt sich auf: Sind Männer Marionetten in den Händen einer Frau? Die Antwort darf sich der Betrachter selbst geben. Auf jeden Fall schiebt sich der starke Oberarm der Marionette in den Vordergrund und der kraftvolle Aufstand dem Betrachter zugewandt ist eine kraftvolle Verheißung, dass unter dem Hut nicht nur ein spitzbübisches Lächeln, sondern dass sich für das Farbspiel des Lebens der Vorhang öffnet.
Knut Kreuch



