IRYNA GÖTZ

ERFURT // Malerei, Zeichnung


SABINE KÖRBER

SÖMMERDA // Lehrerin i. R.


Unsere Blind-Date-Reflektion

 

Sabine Körber: „Ich verlasse einen geschützten Raum. Eigentlich betrachte ich Kunst sonst nur allein im Austausch mit meinen Gefühlen. Plötzlich ist da eine neue Wechselbeziehung. Ich sehe die Künstlerin, ihre innere Spannung, ihr Ringen um Inhalt und Form. Das macht etwas mit mir. Wir reden darüber – offen, ehrlich, und schon ziemlich vertraut. Meine 20 vorbereiteten Fragen bleiben in der Tasche.“


Iryna Götz: „Eigentlich bin ich lieber allein, wenn ich die Idee für Bilder entwickle, sie auf die Leinwand bringe und dann entscheide, ob ich sie zeige. Erste authentische Reaktionen noch im Atelier zu erleben, ist wirklich sehr inspirierend. Ich sehe mein Bild jetzt auch mit anderen Augen, entdecke völlig neue Interpretationen. Wie gut, dass wir andere Blickwinkel haben. Das ist spannend.“


Beide: „Wir haben sofort Vertrauen zueinander gefasst und hatten am Ende ein Blind-Date mit offenen Augen und Herzen.“



Wenn Kunst auf Gesellschaft trifft: Blind Date mit offenen Augen

Verband Bildender Künstler und Landtag mit spannender Projektidee


Erstes Treffen bei der Vernissage im Haus Dacheröden. „Hallo ich bin dein Blind-Date!“ Der Funke springt über. „Komm mich besuchen, damit wir Zeit zum Reden haben!“

Angekommen im Atelier!? Sabine Körber, Lehrerin im Ruhestand aus Sömmerda, trifft Iryna Götz, eine junge Künstlerin, Jahrgang 1988, aus Erfurt. Man kennt sich nicht. Für beide Frauen ist es ein Experiment – angeregt vom Verband Bildender Künstler Thüringen. Die Idee ist spannend für beide Seite.

Ein Blind Date. Kunst und Kunstschaffende treffen Menschen, die sich darauf einlassen, über Kunst zu reflektieren. Man verlässt geschützte Räume. Der Betrachter sieht meist nur die Kunst, der Kunstschaffende (fast) nie den Betrachter. Plötzlich entstehen Wechselbeziehungen. Der Betrachter sieht jetzt auch den Prozess, erlebt das Ringen um Inhalt und Form. Erste Reaktionen zu erleben, die ein Kunstwerk bei fremden Menschen bewirken, ist kreativen Produzenten selten vergönnt. Der Austausch wird lebhaft. Eine neue Erfahrung für alle beide.

Iryna zeigt ein Ölgemälde, darauf ein junges Mädchen, mit ernstem Blick, dem Betrachter zugewandt, die angezogenen Bein und der Oberkörper werden von einer barocken, dunklen Decke umhüllt. Sie sitzt weich auf flauschig rotem schweren Stoff, ein Falten werfender Vorhang füllt den Hintergrund.

Sabine schätzt das Mädchen auf 12 bis 14 Jahre. Wer ist sie? Wo ist sie? Warum ist die Aura des Augenblicks zwar wunderschön anzusehen, aber auch beunruhigend? Fragen, mit denen sie als Betrachterin sonst allein ist. Heute beginnt eine spannende Diskussion. Iryna hat Antworten. Freut sich über das rege Interesse. Sabine bleibt neugierig, will mehr über den Stil, das Finden der Motive, die konkrete Umsetzung wissen.

Iryna Götz zeigt gerade eine umfassende Werkschau im Haus Dacheröden. Dort sind auch Bilder ihrer Schüler und Schülerinnen, Jugendliche und Erwachsene zu sehen. Sie ist nicht nur Künstlerin, sondern auch Lehrerin. Gibt ihr Wissen gern in Kursen an der IMAGO Kunst-und Designschule in Erfurt weiter. Jeder kann sich dazu anmelden.

Das Sympathieband ist geknüpft zwischen Iryna und Sabine. Es war ein Blind Date mit offenen Augen und offenen Herzen. Spannend wird das Finale, wenn ab dem 3. März 2026 alle 50 Blind-Date-Arbeiten zur Ausstellung im Thüringer Landtag zu sehen sind.

 

Text und Fotos: Bernd Körber