CLAUDIA KATRIN LEYH

KALTENNORDHEIM // Bildhauerei, Plastik, Grafik, Kunst im öffentlichen Raum


JANIN PISAREK

CAMBURG/JENA // Kulturwissenschaftlerin und Erzählforscherin



Claudia Katrin LEYH zu ihrem Werk:


Demokratie lebt von politischer Auseinandersetzung und gegensätzlichen Interessen.


Die Suche nach einem Ausgleich dieser Interessen muss jedoch auf Basis einer sachlichen Ebene konstruktiv bleiben. Politik braucht ab einem gewissen Punkt Konsens, um gemeinsame Wege zu finden und Lösungen zu entwickeln.


Öffentlich ausgetragener Kleinkrieg der politischen Vertreter, Zerwürfnisse und Zänkereien, welche teilweise ins Komische abrutschen und so unfreiwillig für humoristische Einlagen sorgen, machen es oft unmöglich, einen gemeinsamen Weg zu finden.


Jeder sieht sich im Recht. Jeder hat die einzige Lösung, kennt allein den richtigen Weg. Der Kleinste hält die höchste Fahne, diese ist drehbar, je nach Windrichtung.


Meine Figurengruppe behält ihre Aktualität.


Haben wir nichts gelernt?


Claudia Katrin Leyh



Statement von Janin Pisarek und Claudia Katrin Leyh:


Die Politikasper. Drei Figuren im Aktenrollwagen. Groß im Gestus, klein im Geiste,


entrückt von jener Lebenswirklichkeit, die sie vertreten sollen. Gestreckte Finger weisen in jede Richtung, ein Fähnchen dreht sich im Wind. Die Verbindung von politischem Ernst und Elferrat-Humor schafft ein Spannungsfeld aus Bedeutungshunger, unfreiwilliger Komik und fehlender Authentizität. Wo Nähe, Bodenhaftung und Menschlichkeit verlorengehen, entstehen Überforderung, Habgier und Distanz.


Unsere Begegnung erwies sich als überraschend vertraut: zwei Frauen aus dem südwestlichen Thüringer Raum, deren Stärke sich aus gemeisterten Lebensstürmen, intellektueller Klarheit und einem wachen Blick auf die Welt speist. Verbunden durch Schaffensdrang, Humor und Liebe zu Mythen und Märchen eint uns das Interesse für die Zwischenräume, in denen sich Erlebtes, Erdachtes und Erzähltes berühren, ebenso wie für das seelische Innenleben und die Spannungsfelder zwischen Wunsch, Moral und Realität.


Kunst und Erzählungen begleiten Gesellschaften als Projektionsfläche und erfüllen unterschiedliche, gleich wichtige Funktionen. Kunst formuliert Kritik dort, wo Sprache oft scheitert, zeigt, wo Verhältnisse kippen, und stellt unbequeme Fragen.


Erzählungen eröffnen Möglichkeitsräume und tragen Wünsche, Hoffnungen und Gegenentwürfe. Doch es stellt sich dieselbe zentrale Überlegung: Wie wollen wir leben – und nach welchen moralischen Maßstäben? 


In dieser Verbindung liegt gesellschaftliche Relevanz: im Aufzeigen dessen, was ist, und im Erzählen, was sein könnte.


Zusammenhalt entsteht dort, wo erzählt, zugehört und Verbindung möglich wird – gerade wenn Haltung Pose wird und Distanz Norm.


Janin Pisarek

und Claudia Katrin Leyh