THOMAS OFFHAUS
GOTHA // Malerei, Grafik, Objekte, Musik
BJÖRN PAULI
MAGDALA/ERFURT // Polizeivollzugsbeamter
„Es war ein Blind Date mit offenen Blicken und Worten.“ (Björn Pauli)
1. Treffen (23.01.2026, Weimar, Ausstellung „love will save the day“)
Am Freitag, den 23. Januar 2026 trafen sich in der Galerie am Weimarer Markt der Künstler Thomas Offhaus und der Polizist Björn Pauli erstmals. Zwischen Leinwänden und Farben sprachen wir zunächst über die Ausstellung von Thomas. Insbesondere bei Thomas‘ Werk „Mir ist auch nich gut“ blieben wir lange stehen und unterhielten uns über die Assoziationen, die dieses Bild bei mir auslöste. Ein Bild, bestehend aus Fragmenten, Überlagerungen, Spuren von Eingriffen. Nichts ist glatt, nichts abgeschlossen. Und mittendrin der Satz in Spiegelschrift - scheinbar schlicht, fast trotzig: „Mir ist auch nich gut.“
Im Kontext der gegenwärtigen globalen Lage las sich dieser Satz für mich weniger als individuelle Befindlichkeit, sondern als kollektives Statement. Globale Konflikte, Kriege, Polarisierung - all das findet seinen Weg aktuell in sämtliche Bevölkerungsschichten, etwa auf die Straße, in Demonstrationen, in Lautstärke, in Wut, in Angst. Das öffentliche Leben wird zur Projektionsfläche weltweiter Spannungen. Und genau dort steht die Polizei.
Die zerrissenen Flächen und eingearbeiteten Zeitungsausschnitte erinnern an eine Welt, die permanent auf uns einwirkt: Schlagzeilen, Meinungen, Ideologien. Orientierung geht verloren. Der Mensch - hier nur schemenhaft angedeutet - scheint von diesen Informationen überlagert, fast erdrückt. Ordnung ist sichtbar, aber brüchig.
Der Satz selbst ist entscheidend. Nicht anklagend, nicht aggressiv - sondern ehrlich.
„Mir ist auch nich gut“ könnte von einem Demonstrierenden stammen, von einem Bürger, aber ebenso von einer Polizistin oder einem Polizisten. Er durchbricht die klassische Rollenverteilung. Plötzlich steht nicht mehr Autorität gegen Emotion, sondern Mensch neben Mensch.
Das Werk machte für mich sichtbar, was selten ausgesprochen wird:
Auch die Polizei ist Teil dieser Stimmung. Auch sie spürt die Risse.
Gerade darin liegt seine Stärke. Es fordert nicht Stellungnahme, sondern Empathie. Es erinnert daran, dass Sicherheit nicht nur eine Frage von Einsatzmitteln ist, sondern von Verständnis, Haltung und menschlicher Nähe.
Björn Pauli
2. Treffen (03.02.2026, Gotha, Atelier)
Im Atelier von Thomas trafen wir uns am 3. Februar 2026, um über sein Ausstellungswerk - ein Ensemble aus dem Gemälde „Request“ und der Skulptur „Vielbrüstige“ - zu sprechen. Ein Ensemble, dass die Artemis von Ephesos - Symbol für unerschöpfliche Fruchtbarkeit und Nahrung - zitiert und mit dem Fragment eines schwarzen Nike-Flügels - Symbol des Sieges, triumphaler Überlegenheit und Unterwerfung - kombiniert.
Grau gehäkelter Schädel und Korpus oder die Verwendung einer goldenen Rettungsdecke rücken das Werk in den Kontext aktueller Krisen und transferiert es damit in das aktuelle Zeitgeschehen. Es entsteht ein Dialog, in dem Fürsorge und Kontrolle, Schutz und Eingriff, Geburt und Verlust unauflöslich ineinandergreifen. Eine Erfahrung, die nicht nur in der Kunst ihren Ausdruck findet, sondern auch im Dienst am Menschen: im täglichen Blick auf das fragile Gleichgewicht zwischen Ordnung und Abgrund.
Björn Pauli
und Thomas Offhaus
Fazit
Was als Blind Date begann, wurde zu einer klaren Erkenntnis:
Polizei und Kunst verbindet mehr, als man auf den ersten Blick vermutet.
Beide beginnen mit Beobachtung. Der Polizist liest Situationen, erkennt Zwischentöne, nimmt Spannungen wahr. Genau davon lebt auch die Kunst: vom genauen Hinsehen.
Was folgt – ist Interpretation. Kein Einsatz ist eindeutig, kein Kunstwerk abschließend erklärbar. Hier wie da werden Urteilskraft, Erfahrung und Mut benötigt, Entscheidungen nicht einem Automatismus zu überlassen.
Im Umgang mit Menschen trafen sich die Welten endgültig. Polizei und Kunst bewegen sich im Feld von Emotionen - von Angst, Wut, Hoffnung, Verletzlichkeit. Sie begegnen dem Menschen nicht abstrakt, sondern konkret.
Beide wirken im öffentlichen Raum. Der Polizist sichtbar, oft bewertet. Die Kunst ebenso, als Spiegel, als Frage, als Provokation. Beide prägen, wie die Gesellschaft Ordnung, Freiheit und Grenzen wahrnimmt.
Am Ende bleibt die Verantwortung. Der eine rechtlich gebunden, der andere kulturell verpflichtet.
Björn Pauli
und Thomas Offhaus



