PETER GENßLER

BLEICHERODE // Malerei, Grafik, Plastik


DANNY WEIGEL

ERFURT // Rechtsanwalt, Vorstandssprecher des FC Rot-Weiß Erfurt e.V.



Peter Genssler: Überlegungen nach dem „Date“

 

Die Begegnung hatte einen vorteilhaften Rahmen. Die Personalausstellung in der hellen und weiträumigen Galerie der Kreissparkasse Nordhausen zeigte optimal beleuchtet, in Nah- und Fernsicht die Bilder und Plastiken, die sonst verpackt im Lager stehen. Aber: Das Chaos des Arbeitens, die Mühe des Ausarbeitens einer ersten Idee und die Schwierigkeit, eine Ausstellungsmöglichkeit zu finden und auszugestalten sind die nicht sichtbare Kehrseite der Medaille „Künstleralltag“. Das ist normal. Was beim Malen oder Modellieren in meinem Kopf vorgeht ist ja das Entscheidende, und das lässt sich nicht zeigen. Die Hand ist nur das ausführende Mittel zum Zweck.

 

Nach unserem Gespräch ist mir ein Fazit eingefallen:

In der Kunst ist es wie beim Sport. Man muss sich im Verborgenen abmühen und arbeiten, um ab und zu öffentlich aufzutreten. Das alles für „die Performance“. Da ist man inmitten der Situationen, die es zu bewältigen gilt. Aber die wahren Fachleute sitzen auf der Tribüne und sehen ganz klar von oben herab, was hätte gemacht werden müssen.

 

Die finanzielle Ausstattung ist beim Sport zwar prinzipiell anders. Aber es gibt auch da Talente, die ihre Leidenschaft zum Beruf machen. Es gibt diverse Ligen, in denen das Entgelt, der Bekanntheitsgrad bis hin zum Weltruhm entsprechend gestaffelt vorkommen. Bei Künstlern ist das ebenso, nur will mir hier die Logik der Preisgestaltung oft nicht recht einleuchten. Beim Sport ist die Leistung messbar und das Publikum zahlreich und leidenschaftlich. Der Kunstmarkt ist spekulativ.

 

Kunst von innen oder außen ansehen, ich kann beides, auch im eigenen Werk, sogar mitten im Arbeitsprozess. Es ist jeweils ein völlig anderer Zustand, in dem ich mich befinde, schizophren, mir selbst fremd.

Nur von außen sieht es der Betrachter, und wird meist störend beeinflusst vom allgemeinen Begriff KUNST. Ist er, wie in Andersens Märchen von des Kaisers neuen Kleidern, klug genug, um das zu sehen was ihm versprochen wird?

 

Unabhängig von der problematischen Situation aller Freischaffenden ist es die besondere Lage der Künstler, etwas zu schaffen, was eigentlich nicht gebraucht wird. Mir geht es so, dass ICH es brauche, so zu arbeiten, und damit meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Dabei haben mir sehr die Künstlersozialkasse und das Ehegattensplitting geholfen. Gerade bei Künstlern ist es möglich, dass der Mann monatelang nichts verdient und die Frau den Lebensunterhalt beisteuert. Warum das überholt ist und diese finanzielle Erleichterung abgeschafft werden soll wissen nur die, die den Blick in die Wirklichkeit eingebüßt haben.

 

Nach all den Reflexionen und Überlegungen ist mir eins klarer denn je:

Im Zentrum steht das Werk


Die Collage als Statement – gestalterisches Ergebnis des Blind Date

 

Aus den entstandenen Zuarbeiten und zugehörigen Fotos habe ich eine Collage angefertigt. Ich will damit die Vielschichtigkeit der künstlerischen Arbeit demonstrieren, im wahrsten Sinne des Wortes.

 

Der Prozess des Denkens wird in eine Form gebracht

 

Die Auseinandersetzung mit einem Thema ist hier mit ihren Zwischenresultaten in eine Form gebracht. Denken kann auch materialintensiv und impulsiv sein. Die Niederschriften werden gestrafft und lesbar gemacht, dabei immer wieder überlagert. Zur Ausstellung gelangt das Wenigste.