CLIVIA BAUER
ARNSTADT // Malerei, Objekte
STEFFEN MENSCHING
RUDOLSTADT // Intendant des Schiller-Theaters Rudolstadt

Clivia Bauers Bild „Heimweh“ erweckt, im Widerspruch zum anheimelnden Titel, einen distanzierten Eindruck. Eine Komposition, die von Symmetrie lebt, vom Hell-Dunkel-Kontrast, von Linien, die das Dargestellte vertikal und horizontal strukturieren. Eine nordische Winterlandschaft, karg, frostig, das Ufer, erdfarben, scheint erreichbar, bleibt aber marginal. Das Zentrum dominiert ein Haus, besser eine Behausung, eine Hütte zum Eisfischen. Ein primitives Refugium, das Anglern in subpolaren Regionen Schutz und Wärme bietet, wenn sie ihrem Gewerbe nachgehen. Ob die Hütte besetzt ist oder jüngst genutzt wurde, bleibt offen, die Tür scheint verriegelt, Fußspuren, die auf einen Besuch hinweisen, sucht man vergeblich. Die vordergründige Schneefläche wirkt unberührt, ein Schornstein, den es geben müsste, denn in der Regel sind die Hütten mit Öfen ausgestattet, bleibt verdeckt, kein Rauch steigt auf.
Clivia Bauer hat, wie ich trotz meiner bescheidenen Kenntnis ihres Werks vermute, eine Neigung zur Allegorie. Zeichen und Ausdruck sind ihr wichtige Themen. Womit provoziert sie uns? Mit der Frage, ob wir wissen, auf wie dünnem Eis wir uns eingerichtet haben? Erhofft sie selbst eine Umkehr zu einfacherem Existieren, weil wir seit langem über unsere Verhältnisse leben? Paraphrasiert sie Rilkes Vers: Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr? Oder illustriert „Heimweh“ eher einen Song von Joni Mitchell, in dem diese bilanziert: All I ever wanted, was just to come in from the cold?
Steffen Mensching
