WOLFGANG SCHWARZENTRUB

GERA // Malerei, Grafik, Installation, Plastik, Objekte, Kunst im öffentlichen Raum


SUSANNE TRAUTMANN

BAD LANGENSALZA // Go-to-Market Strategieberaterin



Ich bin in Thüringen aufgewachsen und wusste bis heute nichts davon:
 
Die DDR war der viertgrößte Uranproduzent der Welt. Nach dem Zweiten Weltkrieg stießen sowjetische Geologen auf Uranerzvorkommen in Ostthüringen und Sachsen. Über vier Jahrzehnte hinweg wurden mehr als 200.000 Tonnen des radioaktiven Rohstoffs als Reparationsleistung abgebaut.
 
Erfahren habe ich von diesen Ereignissen durch eine Begegnung mit dem Geraer Künstler Wolfgang Schwarzentrub. Er hat die Spuren, die der Uranerzabbau in seiner Heimat hinterlassen hat, künstlerisch verarbeitet. Mit seinem Bild „Lichtenberg“ bin ich aber aus purem Zufall in Kontakt gekommen.
 
Wolfgang ist ein Zeitzeuge. Er ist in unmittelbarer Nähe des Tagebaus Lichtenberg aufgewachsen, bei dem sein Vater und Großvater arbeiteten. Die Erinnerungen lassen sich nicht so leicht abschütteln.
 
Er erzählt mir: „Als Kinder haben wir das erstmal ganz anders wahrgenommen, fast abenteuerlich. Dass das gefährlich war, war uns nicht bewusst.“
 
Auf den ersten Blick wirkt Lichtenberg wie ein lebendiges Landschaftsmotiv mit klassischer Bergsilhouette am Horizont. Doch es sind keine Berge, das sind die Abraumhalden des Tagebaus.
Und auch die Farben haben eine Bedeutung: „Das Gelb steht für das Bedrohliche, für das Uran," erklärt mir Wolfgang.
 
Die Begegnung hat gleich mehrere Gedankengänge in mir ausgelöst, die nicht wirklich zusammengehörten. Aber ich möchte sie dennoch teilen:
 
💡 Mit Blick auf aktuelle Nachrichten ist das Thema Ressourcenabbau aktueller denn je. Die langfristigen Folgen für zukünftige Generationen sind selten Teil dieser Debatten. Warum eigentlich?
 
💡 Starke Botschaften brauchen starke Bilder! Kunst kann Aufklärungsarbeit leisten und ist so viel mehr als Dekoration. Warum spielt Kunst in unserem alltäglichen Medienkonsum so selten eine Rolle?
 
💡 Ich habe etwas wesentliches über die jüngere Geschichte meines Bundeslandes gelernt. Warum nicht schon im Geschichtsunterricht?


Susanne Trautmann