ANDREAS BAUER

ERFURT // Malerei, Grafik, Fotografie


ANDREAS HORN

ERFURT // Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Erfurt


Unser „Blind Date“ im Rahmen des Projekts „Kunst trifft Gesellschaft“ war in Wirklichkeit kein vollkommenes Kennenlernen, sondern vielmehr ein unerwartetes Wiederentdecken. Als wir uns in der Verbandsgalerie auf der Krämerbrücke in Erfurt begegneten, wurde schnell klar: Wir kannten uns bereits von früher – etwa 15 Jahre lagen zwischen unserer letzten Begegnung und diesem Wiedersehen. Über die Zeit hatten sich unsere Wege verloren, umso besonderer war es, sich in diesem künstlerischen Kontext neu zu begegnen.

 

Zwischen den ausgestellten Arbeiten und den von Andreas Bauer präsentierten Werken entwickelte sich ein offener und intensiver Austausch über Kunst, Wahrnehmung und gesellschaftliche Relevanz. Beim gemeinsamen Betrachten der Bilder, Strukturen und Materialien wurde deutlich, dass sich nicht nur Andreas Bauers künstlerische Positionen über die Jahre sichtbar weiterentwickelt haben, sondern auch meine eigenen Positionen zu gesellschaftlichen Fragen gereift und verändert sind. Während Andreas Bauer seine persönliche Entwicklung konsequent über seine Kunst ausdrückt, geschieht mein Ausdruck vor allem über Politik und gesellschaftliches Handeln. Es sind unterschiedliche Vehikel des Ausdrucks – und doch spiegeln beide Wege eine fortlaufende persönliche Entwicklung als Mensch wider.

Besonders bereichernd war der Dialog zwischen zwei unterschiedlichen Perspektiven: der künstlerischen Sicht, die stark von Ausdruck, Materialität und individueller Deutung geprägt ist, und der gesellschaftlichen Perspektive auf die Rolle von Kunst in einer Stadt wie Erfurt. Gerade im gemeinsamen Betrachten und Diskutieren der Werke zeigte sich, wie sehr Kunst vom Austausch lebt und neue Denk- und Gesprächsräume eröffnet.

So wurde aus einem zufällig ausgelosten „Blind Date“ eine persönliche Begegnung mit besonderer Tiefe. Für uns beide war es nicht nur ein Wiedersehen nach vielen Jahren, sondern auch ein gemeinsames Nachdenken darüber, welchen Stellenwert Kunst im öffentlichen Leben, in der Stadtgesellschaft und im eigenen Erleben einnehmen kann.

 

Andreas Horn



Seit längerem bildet das Thema „Köpfe“ einen Schwerpunkt meines künstlerischen Schaffens. Dabei steht nicht das realistische Porträtieren im Vordergrund, sondern das Ausloten der Form, das stufenweise Abstrahieren bis hin zur vollständigen Metamorphose. Das Bild der orthodoxen Juden, Christen und Moslems hat mich schon immer fasziniert.

Wenn man die Kleidung und Rituale der (fundamentalistischen) Religionsgruppen ausblendet, bleibt bei allen eine tiefe Gläubigkeit und ein monotheistisches Gottesbildes. Und häufig ist der Bart ein verbindendes Element dieser Gläubigen.Dem widerspricht natürlich der absolute Wahrheitsanspruch jeder einzelnen Religion und der daraus folgenden gegenseitigen Ablehnung.


Der „Kopf 15“ ist ein Werk aus dieser in den 2010er Jahren entstandenen Serie.


Andreas Bauer