ANNETT SCHAUß

UDER // Malerei, Zeichnung, Grafik


HILDEGARD NESTLER

ERFURT // Bibliothekarin i. R.



Im Rahmen des Projekts „BLIND DATE – Kunst trifft Gesellschaft“ sind wir einander zugelost worden: Hildegard Nestler (Erfurt) und ich, Annett Schauß (Uder/Eichsfeld). Unsere erste persönliche Begegnung führte uns in die Galerie des VBKTh auf der Krämerbrücke in Erfurt, wo wir meine grafischen Arbeiten betrachteten, und anschließend in ein Café, in dem sich das Gespräch vertiefte und weiterspann.


Uns verbindet eine gemeinsame Haltung zur Kunst und zur Kultur als Trägerinnen von Erinnerung, Erkenntnis und Verantwortung. Frau Nestler brachte ihre jahrzehntelange Erfahrung als Bibliothekarin der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar in unser Gespräch ein. Das einschneidende Erlebnis des Brandes im Jahr 2004, bei dem unschätzbare Kulturgüter verloren gingen, prägt ihr Verständnis von kulturellem Erbe bis heute. Die Rettung, Identifizierung und Bewahrung beschädigter Buchbestände machten für sie spürbar, wie fragil und zugleich kostbar unsere kulturellen Schatzbehalter sind.


Vor diesem Hintergrund entstand ein intensiver Dialog über meine Serie „Machtpositionen“. Die Figuren mit ihren Insignien, ihrer Orientierungslosigkeit und ihrem suchenden Blick wurden für uns zum Spiegel gesellschaftlicher Fragen nach Macht, Verantwortung und menschlichem Handeln. Im Gespräch wurde deutlich, wie sich Literatur und Bildende Kunst darin begegnen: Beide öffnen Deutungsräume, regen zum Nachdenken an und helfen, die Welt differenzierter zu sehen.


Unsere Begegnung hat uns gezeigt, wie sehr sich Kunst und Gesellschaft gegenseitig brauchen. Kreativität verstehen wir als eine Kraft, die bewahrt, hinterfragt und verbindet. Sie verdient Aufmerksamkeit, Förderung und Wertschätzung – nicht zuletzt, weil sie hilft, das kulturelle Gedächtnis lebendig zu halten und unsere Gegenwart bewusster zu gestalten. Wir sind sicher, dass dieses erste Treffen nicht das letzte gewesen sein wird.


Annett Schauß