Rechnung für künstlerische Leistungen 2012/2013

Kunst wird allseits geschätzt, aber ungern bezahlt. Diese Erfahrung macht jeder Künstlerin und jeder Künstler immer wieder. Dabei geht es noch gar nicht einmal um den Preis von Kunstwerken beim Ankauf, sondern bereits beim Ausstellen bleibt der Künstler auf den Kosten sitzen.
Der Verband Bildender Künstler Thüringen e.V. (VKBTh) nimmt sich dieses Themas immer wieder an, um das Bewusstsein dafür in die Öffentlichkeit zu bringen. Nun hat er seine Mitglieder und darüber hinaus Thüringer Künstlerinnen und Künstler aufgefordert, das Problem aus künstlerischer Sicht anzugehen:
Vom 7. Januar bis 2. Februar 2013 wurden in der Verbandsgalerie auf der Krämerbrücke in Erfurt 36 künstlerische Positionen und Statements unter dem Titel „WERT DER KREATIVITÄT – Rechnung für künstlerische Leistungen“ vorgestellt. Der VBKTh wurde bei diesem Projekt unterstützt vom Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur (TMBWK).
Schon im Jahr 2011 haben Umfragen unter den Mitgliedern des VBKTh sowie die vorangegangene des BBK Bundesverbandes zur wirtschaftlichen und sozialen Lage der Künstler anschaulich gemacht, dass es in unserer Gesellschaft in vieler Hinsicht an der Wertschätzung für Kunst mangelt, obwohl ihre Präsentation nicht auf Museen und Kunsthallen beschränkt ist: Auch wirtschaftliche Unternehmen wie Banken, Anwaltskanzleien oder Kliniken nutzen den Werbewert von Kunstausstellungen. Doch oft wird der Prozess der Vorbereitung – über Konzeption, Materialankauf, Kosten für Guss und Druck bis hin zum Transport – dabei übersehen. Es ist ganz und gar nicht selbstverständlich, bildende Künstler für diesen Aufwand zu bezahlen, ganz abgesehen von der Honorierung der eigentlichen künstlerischen, der schöpferischen Leistung. Anders als Künstler anderer Kultursparten erhalten sie für ihre Arbeit häufig keinerlei Entlohnung. Nach der üblichen Praxis hat der Künstler / die Künstlerin keinen Anspruch auf eine Vergütung für Leistungen im Rahmen einer Ausstellung; eine gesetzlich verankerte Gebührenordnung wie bei anderen selbständigen Berufsgruppen gibt es nicht. Der VBKTh stößt den Gesprächsprozess darüber immer wieder an und setzt sich für die Einführung fester Richtlinien ein, um eine fachgerechte und wirtschaftlich faire Bezahlung in Form von Ausstellungsvergütungen und Ausstellungshonoraren allgemein durchzusetzen.
In der Galerie des VBKTh zeigten 36 Künstlerinnen und Künstler nicht nur, dass das Problem fester Bestandteil ihrer täglichen Arbeit ist. Mit vielen Ideen, manchmal ganz sachlich, manchmal ironisch, manchmal zynisch, gaben sie Einblick in die Bedingungen einer Existenz als Künstler zwischen der Lust und der Last, schöpferisch tätig zu sein.
Am Projekt „WERT DER KREATIVITÄT– Rechnung für künstlerische Leistungen“ beteiligen sich Nooraldeen Amen, Regina Aschenbach, Mario Bierende, Beate Borchard, Benedikt Braun, Marianne Conrad, Ralph Eck, Sylvana von Ende, Samantha Font-Sala, Jess Fuller, Katrin Gaßmann, Peter Genßler, Cosima Göpfert, Ute Herre, Rainer Jacob, Birger Jesch, Robert Krainhöfner, Kerstin Kreller, Karsten Kunert, Nina Klatt-Starke, Gunther Lerz, Marie-Luise Leonhardt-Feijen, Rolf Lindner, Thomas Lindner, Anne-Katrein Maschke, Kati Münter, Klaus Nerlich, Sibylle Reichel, Friedrich Rittweger, Martin Schade, Beatrix Schmah, Heike Stephan, Sybille Suchy, Konstanze Trommer, Marianne Ulrich und Susanne Worschech.

(Die Kuratorin Dr. Angelika Steinmetz-Oppelland zum Hintergrund des Projektes und der Ausstellung)

Die Themenreihe WERT DER KREATIVITÄT ist ein Projekt des Verbandes Bildender Künstler Thüringen unterstützt durch die Thüringer Staatskanzlei  ·  Impressum