JOHANNGEORGENSTADT, 2020
aus der Serie CLOSED
Pigmentdruck auf Hahnemühlepapier
60 × 80 cm

Inmitten der Coronakrise, als alle Aufträge abgesagt waren und nicht abzusehen war, wie es irgendwann mal weitergehen wird, rief mich ein ehemaliger Studienkollege an und fragte, ob ich an einem Projekt teilnehmen wolle. Als einer von fünf Fotografen sollte ich die historisch besondere Situation der geschlossenen Grenzen festhalten. Ich wurde gefragt, ob ich die deutsch-tschechische Grenze fotografieren würde. Natürlich war ich neugierig und sofort mit dabei.

Da ich von den geschlossenen Grenzen bisher nur aus den Nachrichten gehörte hatte, war mir anfangs nicht wirklich klar, was mich erwarten würde. Doch schon am zweiten Grenzübergang wurde mir bewusst, dass in diesem Fall mit „zu“ auch zu gemeint war. Es gab zwar auchGrenzübergänge für LKWs, aber der Großteil der Übergänge war mit Betonklötzen unpassierbar gemacht und von Polizei oder Armee abgeriegelt worden. Kein rein oder raus. In den Grenzorten waren die Läden, Tankstellen und Restaurants geschlossen.

Auch wenn mir durchaus klar war, dass dieser Zustand nur vorübergehend ist, beschlich mich doch ein Gefühl der Beklemmung und erinnerte mich an eine Zeit, in der es normal für die Bevölkerung war, dass sie ihr Land nicht verlassen durfte. Mittlerweile konnte ich feststellen, dass sich das Leben in jenen Orten nach der Wiederöffnung der Grenzen rasch normalisiert hat. Meine Hoffnung ist, dass wir alle umsichtig genug sind, damit so eine Situation – sei es durch ein Virus oder politische Umstände bedingt – nie wieder eintritt.

Die Themenreihe WERT DER KREATIVITÄT ist ein Projekt des Verbandes Bildender Künstler Thüringen unterstützt durch die Thüringer Staatskanzlei  ·  Seitenanfang Impressum Datenschutz